Messiah - Fracmont

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    • Messiah - Fracmont

      Review: Messiah - Fracmont:

      Nun sind sie also wieder da, die Schweizer Urgesteine von Messiah. Geschlagene 26 Jahre hat es gedauert, bis man neues Material von den Eidgenossen zu Gehör bekommen hat. Schon damals, in der Hochphase ihrer Karriere, lagen Genie und Wahnsinn bei dem Vierer immer recht nah beisammen, die Qualität schwankte zwischen den verschiedenen Alben deutlich. Einem Höhepunkt wie "Choir Of Horrors" stand auf der anderen Seite ein lahmer Groove Metal-Durchhänger namens "Underground" entgegen, der die Karriere der Band unwürdig abschloss - oder so hatte es zumindest lange den Anschein. Jetzt liegt aber eben doch mit "Fracmont" das sechste Werk der Band vor, eingespielt von einer Besetzung, wie sie auch in der ersten Phase der Band schon existierte. Der Vorab-Geschmack, den die Band in Form der Single "Morte Al Dente" sowie der EP "Fatal Grotesque Symbols - Darken Universe" hinterließ, war nicht unbedingt geeignet, große Vorfreude zu schüren, doch Messiah sind seit jeher immer für eine Überraschung gut und man kann kaum vorhersehen, welches Ass die Schweizer noch im Ärmel haben werden...

      1. Sacrosanctus Primitivus:
      Die Scheibe beginnt mit einem Intro, das auf das, was da noch kommen mag, behutsam vorbereitet. Dies geschieht noch nicht wirklich in metallischer Art und Weise, vielmehr wechseln sich epische, orchestrale Arrangements mit akustischen Stellen ab. Das Ganze ist stringent konzipiert und führt gut in das Album ein, letztlich ist es aber natürlich rein musikalisch eher vernachlässigbar, daher neutrale...
      5/10 Punkte

      2. Fracmont:
      Das eigentliche Album beginnt dann direkt mit dem Titeltrack, der aber gleich mal eine faustdicke Überraschung darstellt. Denn wer darauf hoffte, dass hier nun sofort mit Karacho drauf los gethrashed wird, der sieht sich leider getäuscht. Nach einem epischen Anfangs-Part (das Intro allein hätte wohl nicht gereicht) bestimmen Midtempo-Grooves die Nummer, die in geradezu schmerzhafter Weise an das "Underground"-Fiasko erinnern. Ein wirklich missratener Einstieg, in den Solo-Sektionen wird es deutlich besser, aber dazwischen schweift der Hörer immer wieder ab, bis nach fünf Minuten Spielzeit (in etwa die Hälfte dieses Monstrums von einem Opener) der Song dann vollends aus den Fugen gerät; da können dann unter dem Strich auch die netten, Drum-getriebenen Thrash-Passagen nicht mehr viel retten, zumal die ständigen plötzlichen Tempowechsel den Flow stören.
      5/10 Pkt.

      3. Morte Al Dente:
      Nicht viel besser wird es leider beim nachfolgenden "Morte Al Dente". Die Nummer war ja schon als Single ausgekoppelt worden und wäre um ein Haar in unserem Kotzer der Woche gelandet. Erneut regiert hier das Midtempo und obwohl im Vergleich zum Titeltrack die Härteschraube noch einmal angezogen wurde und man sich jetzt stellenweise recht eindeutig im Death Metal-Sektor bewegt, wirkt das Ganze einfach nach Dienst nach Vorschrift, um nicht zu sagen gelangweilt - und das ist für eine Band, die jetzt nicht ihr drittes Album in fünf Jahren aufnimmt, sondern sich erstmals nach über einem Vierteljahrhundert Auszeit zurückmeldet, eigentlich eine Katastrophe.
      5/10 Pkt.

      4. Urbi Et Orbi:
      "Urbi Et Orbi" wirkt in gewisser Weise wie eine verkürzte Version des Titeltracks. Diese dringend notwendige Verknappung hilft aber leider nicht viel, da den Kürzungen gerade die cooleren, thrashigen Parts, die bei "Fracmont" zu finden waren, in weiten Teilen zum Opfer gefallen sind. Was bleibt, sind also einmal mehr Neunziger Jahre-Grooves, angereichert mit unintuitiven Arrangements. Erneut gibt es also für Messiah wenig zu holen.
      5/10 Pkt.

      5. Singularity:
      Na endlich! Zum Beginn der B-Seite scheint bei den Schweizern dann doch tatsächlich mal jemand den Power-Schalter gefunden zu haben! "Singularity" ist eine rabiate Abrissbirne, ein nicht ganz drei Minuten dauernder Death Metal-Ansturm, der direkt aus den Spätachtzigern zu kommen scheint und sich erbarmungslos durch die Hörgänge fräst. Man kann nur hoffen, dass dieser fiese Highspeed-Banger nach der Pandemie umgehend in die Live-Setlisten der Schweizer wandert!
      7/10 Pkt.

      6. Children Of Faith:
      "Children Of Faith" dagegen läuft in der Rubrik "verschenktes Potential". Die Nummer hat einige amtlich thrashende Passagen, die ihrerseits definitiv Live-Qualitäten aufweisen, doch werden diese versenkt, indem Messiah denjenigen Song-Aufbau präsentieren, bei dem sie am meisten auf der ganzen Scheibe fehltreten. Wie schon bei einigen anderen Nummern ist man einfach nicht agil genug unterwegs, stattdessen versumpft man im Midtempo, wobei in diesem Stück noch ruhige, atmosphärische Parts mit in den Mixer geworfen werden, die letzten Endes wie ein Fremdkörper anmuten.
      5/10 Pkt.

      7. Dein Wille Geschehe:
      Der Songtitel wirkt hier schon mal abschreckend, klingt das Ganze doch nach einer dieser grauenhaften deutschsprachigen Sodom-Nummern, die selbige vor allem auf ihren Neunziger-Alben immer gerne eingebaut haben - sehr zum Schaden der Allgemeinheit. Messiah aber liefern unter diesem Titel tatsächlich ein überzeugendes Stück Thrash Metal ab, bei dem insbesondere die Solo-Sektion, bei der Band-Kopf Brögi, wie auf der ganzen Scheibe, eine gute Figur macht, überzeugen kann.
      7/10 Pkt.

      8. Miracle Far Beyond Disaster:
      Das wahrscheinlich Beste aber haben sich Messiah zum Schluss aufgehoben; "Miracle Far Beyond Disaster" ist ein weiteres brutales Machwerk, das aber im Gegensatz zu vielen Anderen auf diesem Album ohne überflüssigen Firlefanz auskommt, straight zur Sache geht und dem Hörer, der das Geschehen in der letzten halben Stunde noch eher unschlüssig verfolgt hat, gekonnt die Rübe absäbelt. Stark!
      8/10 Pkt.

      Fazit:
      Trotzdem muss man unter dem Strich festhalten, dass sich Messiah mit "Fracmont" nicht in der obersten Güteklasse des Death-Thrash-Sektors zurückmelden können. Zwar ist die B-Seite des Albums glücklicherweise um einen Quantensprung besser als die A-Seite, doch insgesamt stehen sich die Schweizer Veteranen einfach zu oft selbst im Weg, wenn sie sich an bewusst komplizierten Strukturen versuchen, die beim geneigten Hörer einfach nur schwer bis gar nicht hängen bleiben wollen. Der Fairness halber muss bemerkt werden, dass solche Songstrukturen bei den Eidgenossen Tradition haben, schon das 1992er Werk "Rotten Perish" (aufgenommen in der gleichen Besetzung wie "Fracmont") litt ein Wenig an derselben Krankheit, doch treten die Schwächen der Band auf dem Comeback stärker zutage als je zuvor. So hat man sich auf "Fracmont" zwar im Vergleich mit dem unmittelbaren Vorgänger "Underground" sicherlich verbessert, eine wirklich gelungene Rückkehr kann man dem Quartett aber nicht attestieren; stattdessen ist die Band am Ende des Tages mit dem Urteil "Geht schon in Ordnung" noch gut bedient. Als Pluspunkt sei noch das coole Cover angeführt, das den Einen oder Anderen dazu bewegen mag, sich die Scheibe als Vinyl ins Regal zu stellen.

      ANSPIELTIPP:
      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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