Kotzer der Woche #99: Die Apokalyptischen Reiter - Tiki

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    • Kotzer der Woche #99: Die Apokalyptischen Reiter - Tiki

      Es ist dies einer jener Tage, an denen ich mein wohlgeschätztes Dogma, mich im Zuge des Kotzers nur mit Bands zu beschäftigen, die mir grundsätzlich gefallen, über Bord werfen muss, um mich mit Die Apokalyptischen Reiter einer Gruppe zuzuwenden, die eigentlich durchaus nicht in meinem Interessenfeld angesiedelt ist. Warum tue ich das? Was ist passiert? Haben die Reiter einen neuen Song veröffentlicht? Ja. Gefällt er mir? Nein. Reicht das alleine schon für einen Kotzer aus? Bei weitem nicht. Abgesehen davon, dass ich die Truppe im Zuge meiner ersten musikalischen Schritte im Metal-Sektor mal live gesehen habe, hatte ich noch nie irgendein engeres Verhältnis zur Musik der Thüringer und es wäre durchaus eine veritable Überraschung gewesen, wenn die Band etwas veröffentlicht hätte, was man vom Standpunkt des Achtziger Jahre-Headbangers irgendwie hätte goutieren können. Nein, dass Die Apokalyptischen Reiter eine weitere schwache Nummer abgeliefert haben, ist allein nicht der Grund für diesen Kotzer, auch wenn "Tiki" in der Tat so schlecht ist, dass ich bislang niemanden getroffen habe, dem der Track taugt - selbst unter solchen Leuten, die der Band an sich durchaus zugeneigt sind.

      Was mich aber nachhaltig erbost, ist die Art und Weise, auf die dieses schwache Machwerk - und übrigens auch das gesamte kommende Album "The Divine Horsemen" - zustande gekommen ist. Die Gruppe hat nämlich offenbar befunden, dass man sich dieses lästige Songwriting doch wirklich auch mal sparen könnte, sich zwei Tage lang ohne vorheriges Proben im Studio eingeschlossen und einfach drauf los gejammt. Aus dem aufgenommenen Material mussten dann nur noch geeignete Schnipsel ausgeschnitten werden und schwupps, hat man ein Album, ohne dass man auch nur mal zwei Gehirnzellen für die Konzeption der Songs aktivieren musste! Und wer jetzt glaubt, es handle sich an dieser Stelle um eine Hyperbel meinerseits, um auf das schlechte Songwriting aufmerksam zu machen, der irrt; genau so, wie von mir beschrieben, scheint sich die Sache im vergangenen Oktober zugetragen zu haben.

      Was bleibt einem zu diesem Armutszeugnis noch zu sagen? Es ist dieser dahingerotzte Song sowie das ganze Konzept eine Beleidigung für jede Band und jeden Musiker, der sich gewissenhaft hinsetzt und sich Gedanken macht, wie er das bestmögliche Lied schreiben kann. Natürlich hängt Musik immer mit dem "Im-Moment-Sein", mit der Inspiration zusammen, aber wo der Anspruch auf Authentizität zum Vorwand für effektive Arbeitsverweigerung wird, da kann man sich nur mit Grausen abwenden. Dass zudem Sir G. offenbar Igor Cavalera verschluckt hat, macht die Sache auch nicht besser, sodass man unter dem Strich nur hoffen kann, dass dieses "Konzept", das eigentlich nur auf der totalen Abwesenheit jeglichen Konzepts basiert, in der Szene nicht auch noch Nachahmer findet, denn in diesem Fall dürften qualitativ sehr schwere Zeiten auf unsere Musik zukommen.

      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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