Traditional Thursday #129: Satanic Rites - Which Way The Wind Blows

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    • Traditional Thursday #129: Satanic Rites - Which Way The Wind Blows

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      Wenngleich ich persönlich ein großer Fan unseres "Song des Tages"-Formats bin, so muss man doch feststellen, dass diese Art der Auszeichnung, wie auch unsere Kultur des Musik online Hörens im Allgemeinen, gewisse Trends im Hörverhalten hervorruft, denen man sich als Beteiligter (beispielsweise als Schreiberling in einem Online-Forum) nur schwer entziehen kann. Dadurch, dass Musik immer mehr songweise statt als gesamtes Album rezipiert wird, liegt ein immer stärkerer Fokus auf kurzen, prägnanten Stücken, gerne mit einem hohen Grad an Eingängigkeit; und wenn man einmal durch unsere Songs des Tages der letzten Zeit schaut, so fällt schnell auf, dass erstaunlich oft bei der Vorstellung einer Band X derjenige Song der Gruppe als Song des Tages ausgewählt wird, der das größte "Hitpotential" hat. Das ist nun an sich durchaus nachvollziehbar, will man die Band doch angemessen repräsentieren, doch fallen dadurch etwas abseitigere Lieder, die doch oft ihren ganz eigenen Charme haben, aus dem Sichtfeld. Das ist eigentlich schade und deshalb wurde bei der heutigen Gruppe ganz bewusst ein solches Stück ausgewählt.

      Satanic Rites waren - wie sollte es in dieser Kategorie anders sein? - ein Teil der NWoBHM und gründeten sich 1980 im englischen Halifax. Ein Jahr später veröffentlichte die Gruppe ihre Single "Live To Ride", die griffigen, handfesten Heavy Metal bot und durchaus unterhaltsam war, dabei aber qualitativ nicht über den oberen Durchschnitt hinauskam. Nach dieser Single war von der Band zunächst ganze vier Jahre lang nichts mehr zu hören, ehe man, bereits nach dem Auseinanderbrechen der eigentlichen NWoBHM, wieder auf der Bildfläche erschien. Beinahe erstaunlicherweise hatte in dieser langen Phase nur ein einziger Mitgliederwechsel in dem Quintett stattgefunden, dieser aber war von ganz beträchtlicher Bedeutung; so hatte nämlich Original-Sänger Daz Bingham seinen Posten geräumt und Deborah Webster (die um 1986 den Bassisten der Band, David Ingham, heiraten würde) Platz gemacht. Nun waren weibliche Frontfrauen im Metal anno '85 vielleicht nicht mehr ganz so selten wie noch fünf Jahre zuvor, doch nichtsdestotrotz muss Ms. Webster sicherlich zu den Vorreiterinnen auf diesem Gebiet gezählt werden. Auf dem ersten Full-Length-Album der Gruppe, "Which Way The Wind Blows", machte sie ihren Job gut und stand ihren bekannteren Mitstreiterinnen (Girlschool seien die offensichtliche Referenz) durchaus nicht nach. Doch nicht nur der Gesang, auch der ganze Stil der Band hatte sich seit der ersten Single deutlich verändert; das Dargebotene klang nun wesentlich gezügelter und durchdachter. Stellenweise begaben sich die Musiker dabei freilich in arg softe Gefilde und zwar - ähnlich wie die letzte Woche vorgestellten Wolf - insbesondere dann, wenn der Keyboard-Einsatz überhand nahm, doch das Gros der Tracks ging diesbezüglich völlig in Ordnung, vor allem da die Band sich neben der etwas beruhigteren Grundausrichtung auch eine leicht progressive, bisweilen beinahe Doom-beeinflusste Spielweise angeeignet hatte. Unter den neun Songs des Debüt-Albums kommen diese Elemente am stärksten im abschließenden Titeltrack zum Ausdruck, der eine sehr melancholische Ballade mit einem langsamen, vorsichtigen Aufbau darstellt und gerade deswegen voll überzeugen kann, weil er nicht versucht, in ein irgendwie geartetes Hit-Schema zu passen; in der Tat dürfte man es hier mit dem substantiellsten und stärksten Stück dieser Band zu tun haben. Zwei Jahre nach dem Debüt, das selbstredend kommerziell Mitte der Achtziger keine Abnehmer mehr fand, veröffentlichte die Gruppe mit "No Use Crying" noch ein zweites Werk, das aber endgültig zu sehr in poppige Gefilde abrutschte. Wenig später lösten sich Satanic Rites auf und die Bandmitglieder verschwanden wieder im Dunkel der Musikgeschichte. Es bleibt eine Handvoll wirklich überzeugender Nummern, darunter vor allem das hier vorgestellte "Which Way The Wind Blows".

      Strapped on the table
      The operation begins
      Caught in the fable
      The doctor is in...

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